Im innovativen „trasparenten Labor", aufgestellt im sog. Cortile della Zitella der Vatikanischen Museen, wurde die Restaurierung der Modelle von Bernini für die Bronzeengel des Hl. Stuhls und des Allerheiligsten in Angriff genommen. Der Konservierungseingriff, finanziert vom New York Chapter der Patrons of the Arts in the Vatican Museums, wird von Spezialisten des Restaurierungslabor Metall und Keramiken der Vatikanischen Museen unter der Leitung des Direktors, Prof. Antonio Paolucci, ausgeführt. Die Beaufsichtigung des Eingriffs ist dem Prof. Arnold Nesselrath anvertraut, wissenschaftlicher Delegierter der Vatikanischen Museen. Die Kunstwerke (datierbar zw. 1661 bis 1673) sind zusammen mit dem Kopf des hl. Athanasius und hl. Johannes Chrysostomos im Saal XVII der Pinakothek der Vatikanischen Museen aufbewahrt.
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Dank des freundlichen Zugeständnisses der Fabbrica di San Pietro in Vaticano |
Sie verkörpern eine große Wichtigkeit, sei es wegen der hohen Qualität der Modelle, sowie bezeugen sie den Projektbearbeitungsprozess in der Schöpfung der Kunstwerke. Die Skulpturen sind in der Tat aus einem Materialgemisch von Lehm und Stroh realisiert worden. Modelliert wurden sie auf einem geschmiedeten Eisengerüst, befestigt auf einer Grundlage und an einem vertikalen hölzernen Support. Betrachtet man die Modelle aus roher Erde - bemerkt der Direktor der Vatikanischen Museen, Prof. Antonio Paolucci - erkennt man die schnelle Kreativität, die spirituelle Verwandlung der Materie und dessen Geschmeidigkeit in der Hand eines Künstlers, dessen Traum es war, die Stadt zu einer immensgroßen Skulptur zu modellieren. Die Engelsmodelle beweißen im Verlauf der Restaurierung zusätzlich den großen Einsatz von Bernini, unterstreicht dott.ssa Alessandra Rodolfo der Kunstabteilung der Vatikanischen Museen, in der Verwirklichung des großartigen Monuments des Altars des hl. Stuhls (1658 - 1666). Der Künstler benötigte mehr als 10 Jahre um das Projekt zu verwirklichen, wobei er es im Verlauf der Zeit mehrmals umgestaltete. Die Engel selbst, in der Tat wegen ihrer unterschiedlichen Dimensionen bestätigen zwei Bearbeitungsphasen, insofern, die erste Version dem Künstler im Verhältnis zur Gesamtheit zu klein erschien.
Die Besonderheit der Materialien, aus welchen die Kunstwerke und die mangelhafte Dokumentation bezüglich anderer Restaurierungseingriffe bestehen, durchgeführt aus ähnlichen Materialien, erforderte eine Forschungsarbeit über die geeigneten Eingriffsmodalitäten. Die Tonmischung weißt keine Brennung auf, deshalb ist sie aufgrund ihrer Beschaffenheit gegenüber „thermo-igrometischen" Variationen ein besonders zerbrechliches und sensibles Material. Auch das Vorhandensein von pflanzlichen Fasern innerhalb der Tonmischung und die als Unterstützung verwendeten zusammengeschnürten Rebbündel bei den Armen bilden durch atmosphärische Einflüsse (holzfressende Insekten) ein sehr zerbrechliches und leicht abnutzbares Material. Die Konservierungsintervention verfolgt somit den Zweck den gesamten Materialien der Kunstwerke die höchste chemische und physikalische Stabilität zu gewähren unter Anwendung geeigneter strumenteller Ausrüstung und Substanzen, die dazu kompatibel sind.
Neben der Studie der technischen Ausführung erfolgt auch eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung der Bearbeitungsspuren, nachdem auf den Ton-Oberflächen noch sämtliche Spuren von Hand- und strumenteller Modellierung sichtbar sind. Dies sind wertvolle Erkennungsmerkmale die es noch ermöglichen den Handabdruck des großen Künstlers zu identifizieren. In Zusammenarbeit mit dem Diagnostiklabor für die Bewahrung und Restaurierung der Vatikanischen Museen wurden die für die gesamten Restaurierungsarbeiten zu verwendbaren Substanzen an analogen Materialien (Tonmischung mit organischer Verbindung) studiert und getestet. Die Restaurierungen sehen auch das Entfernen von alten Bearbeitungen vor. Sie wurden früher mit Materialien, wie Gips und farbigen Lack, durchgeführt. Sie werden heute als ungeeignet betrachtet und sind sehr invasiv. Diese Arbeiten sind sowohl für die Renovierung sämtlicher Originaloberflächen als auch für die Bewahrung der Kunstwerke unerlässlich, da sie somit von schädlichen Materialien befreit werden, die die Verfallsformen beschleunigen.
Die Modelle sind mit verschiedenartigen Materialien realisiert worden, die sich auch auf grund ihrer Funktion differenzieren: die modellierte Tonmischung und die internen bzw. externen Stützungsgerüste für die großen Werke. Das Material der Engelmodelle, besteht größtenteils aus Ton- und Strohgemisch, bearbeitet für das Aufeinandersetzen von Schichten mit unterschiedlicher Zusammensetzung und Dicke. Das Ziel dieses Vorganges ist es während der Trocknung der Tonerde Rissbildungen zu verhindern.
Die übereinandergelagerten Schichten erreichen ein beträchtliches Gewicht und Dicke und aus diesem Grund sind die Kunstwerke mittels externen und internen Gerüsten aus Schmiedeisen, Eisendrähten, organischen Materialien, wie Rebzweige zusammengeschnürt in Rebbündel mit Spagat und viele andere Elemente aus Holz gestützt.
An Zonen wo Modellanteile von Feinarbeiten bestehend aus feinster und kompakter Tonerde abgebröckelt sind, geben einen Einblick auf die verschiedenen Schichten oder Oberflächen von Brüchen. Jene Oberflächen erlauben es genauere Erkenntnisse der Übereinanderlegung der Schichten, der Zusammensetzung der Materialien sowie der ausgeführten Technik zu erlangen.
In den letzten Jahrzehnten waren die Ton- und Strohmodelle des Gian Lorenzo Bernini Gegenstand weiterer Restaurierungseingriffe, heute werden sie nicht mehr als angemessen betrachtet. Bereits bei den ersten Erhebungen, Kartierungen und durch einfache Endstaubung der Oberflächen, war es möglich, die alten Bearbeitungsmethoden zu erkennen. Es sind sofort die vielen Stuckeingriffe und die Wiederherstellung von fehlenden Teilen hervorgetreten, realisiert in weißem Gips markiert mit gefärbtem Lack, um den Farbton der Tonerde wieder herzustellen. Besonders wurde die Präsenz von gefärbten oder transparenten Lacken zur Überdeckung der Originaloberflächen festgestellt, welche sich mit der Zeit verändert oder vergilbt haben, die gut sichtbar und ungeeignet sind.

Es wurden auch industriegefertigte Metallnägel entdeckt, welche in die größeren Teile der Modelle eingefügt waren, um sie vor einem Abbruch zu sichern. Im Bereich der unteren Schichten der Modelle wurden Staub- und Materialablagerungen biologischer Natur entdeckt, und man stellte fest, dass die organischen Bestandteile, der aus Holz und Stroh erstellten Werke von Insekten beschädigt wurden. Die modellierten Tonoberflächen weißen eine Vielzahl von Rissen auf, welche zum Teil den natürlichen Eigenschaften des Materials zuzuschreiben oder bei der Trocknung der Tonerde verursacht worden sind.
Die erste Restaurierungsoperation besteht in der Entfernung der meist verstaubten Ablagerungen mittels einer kontrollierten Mikro-Sauganlage mit Vergrößerungsglas. Die Schmutzschicht, die im Laufe der Zeit die Oberflächen grau verfärbte, wird mit Gummi verschiedener Zusammensetzung und Festigkeit, die eigens für die delikate Papierrestaurierung entwickelt wurde, gereinigt. Lackierungen und alle anderen veralteten Substanzen früherer Restaurierungseingriffe werden durch vorsichtiges Anbringen von Lösungsmittelumschlägen vorsichtig entfernt, damit keine Flecken auf den Tonoberflächen bleiben. Stuckverbindungen und Wiederzusammensetzungen die in der Vergangenheit mit weißem Gips realisiert worden sind und allgemein Risse, sowie Lostrennungen aufweißen, werden mit mechanischen Methoden entfernt, wobei man das Kunstwerk prioritär einer minimalen beschleunigten mechanischen Bearbeitung unterzieht.

Diese Bearbeitungen werden mittels Mikrobohrer, mit speziellen Bohrwerkzeugen für Gips, wie sie in der Zahntechnik Anwendung finden, durchgeführt. Die schmiedeisernen korrosionsbeschädigten Elemente des Gerüstes werden mit einem für schädliche Metallprodukte vorgesehenen spezifischen mechanischen Reinigungsverfahren bearbeitet.
Im nachhinein werden diese Elemente mit Substanzen behandelt, die diese Verfallsformen verlangsamen. In bezug auf die Festigung und Integration wurde ein Gemisch auf Basis von Zellulose verwendet und eigens für die Restaurierung dieser Werke zusammengestellt. Jenes Material, leicht und ohne Fettgehalt, leicht bearbeitbar und entfernbar wird mit Hilfe von zahnärztlichen Werkzeugen angebracht, wo man wirklich Mikrostuckaturen realisieren kann. Nur in Situationen von starker Zersetzung werden Konsolidierungen in die Tiefe mittels Einspritzungen oder durch Pinselauftragung von Klebstoffen und Konsolidierungssubstanzen vorgenommen. So wie bei den Konsolidierungen werden auch für die Stützung der vielen instabilen und abbröckelnden Modellpartikeln, Absicherungen durch Ergänzungsstrukturen unter Anwendung von einem speziell studierten Gemisch gewährleistet. Die vielen kleinen Stuckarbeiten und Integrationen werden im Vergleich zu den Originaloberflächen mit einer leichten Unterschicht fein bearbeitet und mit einer Aquarell- Bemalung gefärbt, durchgeführt mit der Pointillistischen Technik, die bei näherer Betrachtung ersichtlich ist.